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Das war die #DNUG46 Konferenz


Am 04. und 05. Juni 2019 fand in Essen die diesjährige DNUG-Konferenz mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Über den spannenden, von HCL organisierten Vortag, habe ich ja schon berichtet. Auch an den beiden Haupttagen wurde ein großer Teil der Sessions von HCL Mitarbeitern bestritten.

Mit vier Kolleginnen und Kollegen angetreten, haben wir versucht möglichst viele der fast 60 Sessions zu besuchen. Da wir alle beigeisterte Notes-Entwickler sind, hat sich natürlich ein Schwerpunkt rund um die Neuerungen der Notes/Domino-Plattform gebildet. Mit der für Ende 2019 angekündigten Version 11 werden sich viele tolle neue Möglichkeiten ergeben.

Mobilisierung von Notes-Anwendungen
Das Thema Mobilisierung bestehender Notes-Anwendungen verfolgt uns seit dem der erste NOKIA Communicator um die Jahrtausendwende auf den Markt kam. Mit dem Siegeszug der legendären BlackBerry-Smartphones um 2003 hat auch die GFI mit FlowGate entsprechende Tools im Angebot, mit denen wir viele spannende Projekte realisieren konnten. Aber spätestens mit der massenhaften Verbreitung von iPhone, iPad und Androidgeräten unter Privat- und Businessanwendern, fordern jeder CEO und jeder CIO "mobile first".

Aber was macht man mit der Vielzahl von Notes-Anwendungen, die seit den 1990ern im Unternehmen gewachsen sind? Anstatt zu erkennen, dass Business kritische Anwendungen in gewissen Abständen technisch auch mal auf den neuesten Stand gebracht werden sollten, hat man lange Zeit darauf gehofft, dass IBM eine einfache und kostenlose Möglichkeit schafft, aus einer von einem Buchhalter nachmittags zusammengeklickten Workflowanwendung eine App für das iPhone generieren zu können, die natürlich auf ebenjene Plattform UX-mäßig optimiert daherkommt.

Als Entwickler verdreht man angesichts solches Wunschdenkens schon einmal die Augen. Allerdings hat IBM es in den vergangenen zehn Jahren immer wieder geschafft, die Hoffnung auf eben jenes Wundertool am Leben zu erhalten, während stattdessen mit XPages, REST-API und dem seit einiger Zeit stark gepushten teamWorkr (Drittanbieterprodukt) Werkzeuge ausgeliefert wurden, die stets auch immer Entwicklungsaufwand bedeuteten. Die Nutzung von XPages erfordert eine nahezu komplette Neuentwicklung. Bei entsprechender Konzeption lassen sich aber alle drei Plattformen (Notes Client, Desktopbrowser und Mobile Browser) gleichzeitig abdecken. Der teamWorkr kommt dem Wunsch nach möglichst wenig Aufwand zwar schon näher, aber ohne tiefgreifende Änderungen im Code, die Business Logik von Benutzeroberfläche trennen, fängt man sich bei komplexeren Anwendungen dafür andere Probleme ein.

Das Resultat aus dieser Gemengenlage kennen wir alle zu Genüge: Es wurden seitens vieler Kundenunternehmen exakt 0€ in die Modernisierung und Mobilisierung von Notes-Anwendungen investiert. Gleichzeitig wurden Krokodilstränen darüber vergossen, dass Notes ja angeblich nicht mehr zeitgemäß sei und man es irgendwie loswerden müsse. Wie durch ein Wunder campierten vor der Haustüre bereits die ersten Sales Consultants namhafter Marktbegleiter die die ultimative Lösung für "das Problem" in petto hatten.

Man kann es nur als ersten Befreiuungsschlag bezeichnen, dass HCL mit Nomad (Produktname: IBM Domino Mobile Apps) einen klassischen Notes-Client für zunächst iPad-Devices angekündigt und inzwischen ausgeliefert hat. Dabei setzt Nomad auf Code auf, der seit Jahren bei IBM im Giftschrank in der Schublade lag. Meine etwas zwiespältige Haltung, die ich auch im oben verlinkten Blogbeitrag geäußert habe, ist spätestens mit der diesjährigen DNUG gewichen. Denn neben der Ankündigung, Nomad/DMA auch auf Android-Tablets und Smartphone zu bringen, hat man dieses Mal wirklich den großen Wurf vor.

Während ein Tablet im Landscape-Mode einem Desktop-PC noch am nächsten kommt und man mit minimalen Anpassungen (Schriftgröße, Größe und Abstand von Bedienelementen) zumindest eine Bedienbarkeit bestehender Anwendungen realisiert bekommt, ist ein solcher Ansatz beim Einsatz von senkrecht gehaltenen Smartphones völlig zum Scheitern verurteilt. Eigentlich müsste man trotz Einsatz eines klassischen Notes-Clients mit Masken, Ansichten, Formelsprache und LotusScript wiederum jede einzelne Applikation anfassen und mit einem neuen User Interface versehen.

HCL plant in zwei Stufen Abhilfe zu schaffen. Zunächst einmal werden die sog. Templates auf denen eine Vielzahl der System-Datenbanken (bspw. Adressbuch, Diskussionsforum) basieren, überarbeitet. Viele Kunden nutzen diese Templates entweder unverändert oder haben entsprechende Erweiterungen für ihr Unternehmen darin geschaffen. Mit den so überarbeiteten Templates und einer ausgeklügelten Navigationslogik wird es möglich sein, auch auf einem Smartphone einen Zustand zu erreichen, mit dem sich bestehende Notes-Datenbanken flüssig bedienen lassen. Geplant ist es, dieses Ziel mit Notes/Domino 11 zu erreichen.

Aber HCL wäre nicht HCL, wenn man sich damit zufrieden geben würde. Besonders interessant war der Ausblick auf das, was uns voraussichtlich mit Notes/Domino 12 erwartet. Man arbeitet nämlich bereits an einer Lösung, die bestehende Notes-Anwendungen technisch analysiert und so Ansichten und Masken samt der darin enthaltenen Bedienelemente in ein neues Anwendungs-Korsett verpackt, dass dem moderner Mobile Apps entspricht. Beispiele hierfür sind die Verwendung des bekannten "Burger"-Menüs für die Liste der angebotenen Ansichten, sowie eines Floating-Buttons der die in einer Ansicht enthaltenen Aktionsbuttons bündelt.

Die technologische Basis hierfür wird es in Zukunft auch ermöglichen, dass genau die so optimierte Oberfläche in handelsüblichen Desktop-Browsern zur Verfügung stehen wird.

Nun bin ich immer noch der Meinung, dass ein solches Werkzeug zwar helfen kann, seine Anwendungen in die neue Zeit zu retten, man aber als Entwickler dennoch dringend einige Vorbereitungen und Optimierungen vornehmen sollte. Allerdings macht es einen gewaltigen Unterschied, ob ich mit Nomad schnell Ergebnisse liefern und im Hintergrund schrittweise meine Hausaufgaben erledigen kann oder ob ich erst einmal eine dreistellige Anzahl Personentage investieren muss, bevor ich den Stakeholdern überhaupt die erste funktionsfähige Maske präsentieren kann.

Wir sind schon alle auf die ersten Betas gespannt und werden natürlich mit den wirklich komplexen Anwendungen testen. Soviel Gemeinheit muss sein ;-)
Back to the roots: Mit LEAP Fachapplikationen zusammenklicken
In den letzten Monaten war immer wieder zu hören, dass man sich mit Notes und Domino auf die Wurzeln und die Kernkompetenzen zurückbesinnen sollte. Eines dieser Ur-Versprechen von Lotus Notes war es, dass jeder der im Unternehmen mit Microsoft Excel oder Access, bzw. deren "gelben" Varianten 1-2-3 und Approach, Fachapplikationen bauen kann, auch Notes-Anwendungen erstellen kann und diese um Workflow-Funktionalitäten ergänzen kann.

Mit zunehmender Komplexität und vielen neuen tollen Möglichkeiten, die uns als Entwickler bei GFI erst in die Lage versetzt haben, komplexe Kundenprojekte zu realisieren, hat man die Power User oder "Citizen Developer" ziemlich aus den Augen verloren.

Diese Lücke sollte IBM-seitig zunächst das Produkt Quickr füllen. Leider musste es den Weg vieler anderer IBM-Produkte gehen: Portierung auf Websphere und dann Einstellung. Neben vielen anderen Ansätzen, deren Namen ich schon alle wieder vergessen habe, gab es noch den "Forms and Experience-Builder".

LEAP wird die konsequente Weiterentwicklung von "FEB" werden und ermöglicht es Fachanwendern. einfach per Browser-Oberfläche Anwendungen mit Workflow-Elementen zu erstellen. Struktur und Datenbestände lassen sich aus Excel importieren. Die Datenhaltung erfolgt in NSF-Containern und zwar so, dass bestehende Notes-Anwendungen diese Daten weiterverarbeiten können oder ihre Ergebnisse LEAP-Anwendungen zur Verfügung stellen können. Mit Hilfe von REST/JSON lassen sich ebenfalls Daten aus Drittsystemen nutzen. Beispielhaft sei ein Ticketsystem genannt, welches die Kundendaten aus einem Webservice des ERPs übernimmt.

Auf der DNUG wurde eine erste vielversprechende Preview live gezeigt. Und das Beste: LEAP soll Bestandteil der Domino-Lizensierung werden, d.h. jeder Domino-Benutzer wird LEAP ohne zusätzliche Kosten nutzen können. Das ist eine Ansage!
Integration in Drittanbietersysteme
Schlagworte wie REST-API, Node.js, REACT und Domino Query Language (DQL) lassen natürlich erst einmal die Entwickler*innenherzen höher schlagen. Wie auch schon mit der Einführung von XPages muss man aber festhalten, dass die tollsten Möglichkeiten für Full-Stack-Developer nichts nützen, wenn die Unternehmen nicht bereit sind in die vorhandenen Systeme zu investieren, um Business kritische Anwendungen zu modernisieren und für weitere Jahrzehnte fit zu machen. In den teilweise hochkomplexen Anwendungen vieler Kunden versteckt sich ein kaum mit Geld zu bewertender Daten- und Erfahrungsschatz. Bis heute gibt es noch keinen Wettbewerber, der Notes/Domino in seiner Vielfalt und Leistungsfähigkeit ernsthaft etwas entgegensetzen könnte.

Hier kommt es auf jeden einzelnen Notes-Entwickler oder Admin an, aus der Vielzahl der Schnittstellen und Entwicklungswerkzeuge, für den Anwender sinnvolle Lösungen zu bauen und diese mit fix zu erstellenden Prototypen zu promoten. So lassen sich mit überschaubarem Aufwand Notes-Ereignisse in kollaborative Umgebungen wie Microsoft Teams oder Slack integrieren. Dabei folgen solche Integrationen im Prinzip alle dem gleichen Ansatz. In einer Notes-Anwendung steht bspw. ein Workflow oder eine Wiedervorlage für einen Nutzer oder eine Nutzergruppe an. Eine kurze Voransicht bestehend aus Titel, Kurzbeschreibung und Link wird in einem Slack/Teams-Channel publiziert. Durch Anklicken des Links öffnet sich das Dokument im Notes-Client oder Webbrowser. Kommt der Prophet nicht zum Berg, muss der Berg halt zum Propheten wandern!

Das Drumherum
Zu einer gelungenen Konferenz gehören neben vielen spannenden Sessions natürlich noch ein paar mehr Dinge. Die Tagungslocation (Messezentrum Ost, Essen) überzeugte mit stabiler Technik, für den Zweck passenden Räumlichkeiten und gutem Catering, auch wenn es am ersten Tag bei der Essensausgabe zu langen Schlangen kam. Einzig und allein der Kaffee konnte mal so gar nicht überzeugen. Und wer Entwicker*innen kennt, der weiß, wie diese ohne Kaffee funktionieren.

Die Abendveranstaltung fand hoch oben im Restaurant der Zeche Zollverein statt. Von dort hatte man einen wunderbaren Überblick über die Stadt. Für viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es dann doch etwas unwartet, dass Essen derartig viel Grün zu bieten hat.

Dennoch hat man sich seitens des DNUG-Vorstands dazu entschieden, ab 2020 die Konferenz dauerhaft in Berlin stattfinden zu lassen. Ein Fazit zur #DNUG46 findet ihr auch auf der DNUG-Webseite.

Bilder von Christop Grorke im Auftrag der DNUG.

Marc-Oliver Schaake

Geschäftsführung - Consulting - Projektmanagement - Development
Lotus Notes Consultant & Entwickler seit 1995
  • SAP to Notes-Projekte
  • Verantwortlich für Produktentwicklung